Bürgerbeteiligung JETZT

Vom 08.09. bis zum 8.10.2021 findet die öffentliche Auslegung des Bebauungsplans Nr. 2127 „Truderinger Straße (südlich), westlich der Roßsteinstraße, östlich des Schwanhildenwegs“ (verkürzt auch „Truderinger Acker“ genannt) und des zugehörigen Flächennutzungsplans statt.

Siehe www.muenchen.de/auslegung

In welcher Phase der Bauleitplanung sind wir? Die Planungen zur Bebauung sind noch nicht abgeschlossen und können noch verändert werden. Alle Bürgerinnen und Bürger sind dazu aufgerufen, bis zum 8. Oktober 2021 zu dem Bauvorhaben Stellung zu nehmen. Folgende Wege sind dafür vorgesehen:

  • elektronisch: plan.ha2-32v@muenchen.de
  • schriftlich per Post: Landeshauptstadt München, Referat für Stadtplanung und Bauordnung, Blumenstraße 28b, 80331 München oder
  • mündlich nach telefonischer Vereinbarung zur Niederschrift unter 089/233-24822

Der Betreff sollte einen Hinweis auf den „Truderinger Acker“ beinhalten. Alle vorgebrachten Einwände müssen von der Stadt abgewogen werden.

Wie geht es danach weiter? Der nächste Schritt könnte ein Normenkontrollverfahren sein, in dem mit juristischen Mitteln gegen Abwägungsfehler, Formfehler und natürlich auch gegen die Planung an sich geklagt werden kann.

Was ist JETZT zu tun?

Wir sind auch keine Fachleute. Aber jede Meinung zählt. Wir können jetzt zeigen, dass uns unser Berg am Laim am Herzen liegt! Sie können sich bei Fragen aller Art einfach direkt an die Verwaltung wenden: Auskünfte werden nach vorheriger Terminvereinbarung durch das Referat für Stadtplanung und Bauordnung (telefonisch unter 089/233-24822 oder per E-Mail unter plan.ha2-32v@muenchen.de) erteilt. Es sollten möglichst viele Verbesserungsvorschläge bei der Stadt eingereicht werden. Formulieren Sie selber, was Ihnen an dem vorläufigen Bebauungsplan und dem Flächennutzungsplan verbesserungswürdig erscheint. Falls Sie möchten, können Sie das Formblatt der Stadt verwenden. | Formblatt | 

  1. Sportfläche, Fußballplatz

Die Freisportanlage des ESV München-Ost e.V. (ESV-Platz) wird an die Thomas-Hauser-Str. verlegt.

  • Anmerkung dazu: Die DB beansprucht im Gebiet der Thomas-Hauser-Straße Fläche zum Bau der „Truderinger Kurve“. Daher ist der Verlagerungsort an der Thomas-Hauser-Straße in direkter Nähe zu der von der DB beanspruchten Fläche zumindest für viele Jahre nicht nutzbar.

Der ESV-Platz ist an seinem momentanen Standort sehr gut erreichbar. Der Weg zur Thomas-Hauser-Straße dagegen ist für Kinder gefährlich und weit.

Der Flächennutzungsplan weist seit Jahrzehnten und bis heute die Nutzung „Reines Wohngebiet“ für den Acker, aber die Nutzung „Sport“ für ESV-Fußballplatz aus. Im Zuge des Bebauungsplans soll nun auch der Flächennutzungsplan geändert werden: Der bestimmte Nutzen für den ESV-Platz soll von „Sport“ auf „Allgemeines Wohnen“ geändert werden. Warum will die Stadt das tun? Die Stadt könnte genauso gut sagen, dass ihr die Bewegung/Sport vorrangig wichtig ist und dass die Nutzungsbestimmung „Sport“ für den ESV-Platz erhalten bleiben muss.

Wir sind der Meinung, dass die Nutzungsart „Sport“ für den ESV-Platz im Flächennutzungsplan nicht zu „Allgemeinem Wohnen“ umgeändert werden sollte. Bewegung und Ausgleich ist für unsere Kinder und Jugendliche essentiell wichtig.

  1. Seniorenwohnheim

Das Argument, eine Pflegeeinrichtung für Senioren sei im Planungsgebiet konzeptionell aufgrund der Anforderungen an eine solche Einrichtung nicht umsetzbar, konnte selbst der Stadtrat nicht glauben und hat das Referat für Stadtplanung und Bauordnung im Billigungsbeschluss vom 01.07.2020 beauftragt zu überprüfen, wie eine Wohnform für Senioren im Planungsgebiet realisiert werden könnte.

  • Anmerkung dazu: In Berg am Laim fehlen Senioreneinrichtungen. Und der Bedarf wird immer größer: Menschen werden älter, Ein-Personen-Haushalte und die Einsamkeit nehmen zu, Familien brechen auseinander, die Gesellschaft ändert sich. Aufgrund der Größe des Planungsgebiets ist es nicht nachvollziehbar, dass eine Pflegeeinrichtung für Senioren nicht umsetzbar ist. Unserer Meinung nach gehört zu einer bedarfsgerechten Bebauung auch ein Seniorenheim.
  1. Nachfrage nach Wohnraum

Das übergeordnete Ziel der Stadt ist es, dauerhaft bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

  • Anmerkung dazu: Es gibt in München keinen Mangel an teuren Mietwohnungen. Aber es gibt einen Mangel an bezahlbaren Mietwohnungen. Wichtig ist eine Durchmischung der Bevölkerungsschichten. Da nur einige der geplanten 820 Wohnungen preisgebunden vermietet werden sollen, wird das Kriterium „bezahlbarer Wohnraum“ nur für diesen Anteil der Wohnungen nachhaltig erfüllt. Wie bereits der verstorbene Alt-Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel forderte, kann dauerhaft bezahlbarer Wohnungsneubau nur durch gemeinwohlorientierte Wohnungsunternehmen gebaut werden: Genossenschaften, kirchliche und soziale Siedlungswerke und natürlich die städtischen Wohnungsunternehmen GEWOFAG und GWG. Unter wohnungswirtschaft-muenchen.de/mietenatlas/ ist ein aktueller Mietenatlas mit günstigen Mieten abrufbar.

Unserer Meinung nach ist deshalb die Planung für den Truderinger Acker nicht bedarfsgerecht.

  1. Dimensionierung Bauvorhaben

In dem ersten Beschluss zur Bebauung (Aufstellungs- und Eckdatenbeschluss vom 13.12.2017) hatte die Stadt ca. 750 Wohneinheiten, eine Höhenentwicklung bis 8 zu Geschossen und eine Geschossfläche von 80.000 m² vorgesehen. Durch einen Architektenwettbewerb ist jetzt deutlich mehr Baumasse geplant: ca. 820 Wohneinheiten (das entspricht ca. 2.000 Personen), ein Hochhaus mit 15 Geschossen und eine Geschossfläche von 83.050 m².

Für die Fachleute: Geplant wird eine Geschossflächenzahl (GFZ) von im Mittel 2,0. Die GFZ gibt an, wieviel Quadratmeter Geschossfläche je Quadratmeter Grundstücksfläche zulässig sind. Die GFZ ist damit ein Maß für die Dichte der Bebauung. Laut der deutschen Baunutzungsverordnung (kurz BauNVO) gilt für die Nutzung „WA“ (allgemeines Wohnen) im Normalfall eine GFZ von 1,2. Aus städtebaulichen Gründen kann die Stadt von dieser Orientierungsobergrenze von 1,2 für allgemeine Wohngebiete (WA) abweichen. Dieses Recht nimmt die Stadt bei der Bauplanung für den Truderinger Acker auch in Anspruch.

  • Anmerkung dazu: Warum muss dichter gebaut werden als im Aufstellungs- und Eckdatenbeschluss vom 13.12.2017 vorgesehen?Warum muss die Geschossflächenzahl (GFZ) den bundesdeutschen Orientierungsobergrenzwert von 1,2 übersteigen? Unserer Meinung nach ist die Bebauung zu dicht geplant.
  1. Höhenentwicklung

Für die Stadt markiert das 15-geschossige Hochhaus den Eingang zum Quartier, stellt einen Bezug zu den umliegenden Hochhäusern dar und ist der Umlenkpunkt des Hachinger Baches.

  • Anmerkung dazu: Das Hochhaus fügt sich in keinster Weise harmonisch in die Bestandsbebauung ein. Die deutsche Baunutzungsverordnung (kurz BauNVO) gibt vor, dass immer eine Referenz für die Höhe neuer Gebäude gefunden werden muss und dass von dieser Referenz nur geringfügig abgewichen werden darf. Es gibt im direkten Umfeld kein Hochhaus dieser Dimension. Der Bezug zum „Neo“ in Baumkirchen Mitte und zum Hochhaus der Süddeutschen Zeitung ist unserer Meinung nach nicht zulässig, weil beide durch eine breite Straße bzw. durch die Bahnlinie vom Truderinger Acker getrennt sind.

In dem ersten Beschluss zur Bebauung (Aufstellungs- und Eckdatenbeschluss vom 13.12.2017) hatte die Stadt eine Höhenentwicklung bis zu 8 Stockwerken vorgesehen.

Der Hachinger Bach braucht keinen Umlenkpunkt.

Unserer Meinung nach ist ein Hochhaus mit 15 Geschossen zu hoch.

  1. Verkehr

Die Stadt erkennt an, dass der Knotenpunkt Baumkirchner Straße/Truderinger Straße Nord/Hermann Weinhauser-Straße und die nördlich gelegene Bahnunterführung heute schon temporär überlastet sind. Es wird dann aber ausgeführt, dass die neue Bebauung weder Ursache noch eine wesentliche Verschlechterung dieses Zustandes sei.

Die Stadt plant lediglich einen Stellplatzschlüssel von 0,8 Stellplätzen pro Wohnung, d.h. nicht mal ein Parkplatz pro Wohnung ist vorgesehen. Der Baubegünstigte muss ein Mobilitätskonzept vorlegen, das diese geringe Anzahl an Parkplätzen rechtfertigt.

Oberirdisch sind Kurzzeitplätze in Längsbuchten geplant.

  • Anmerkung dazu: Unserer Meinung nach ist es nicht richtig, dass der Verkehr mit seinen negativen Begleiterscheinungen wie Lärm und schlechter Luft nicht stärker gewichtet wird, weil anerkannt ist, dass der Verkehr bereits heute temporär überlastet ist.

Um mehr Parkplätze zu schaffen, wäre eine 2. Tiefgaragenebene notwendig, was aber wiederum das Grundwasserproblem verschärfen würde. Eine sinnvolle Reaktion darauf wäre, die Bebauung weniger dicht zu planen.

Die oberirdischen Kurzzeitstellplätze in Längsbuchten sind völlig unzureichend für Lieferverkehr, Kitas und Car-Sharing.

  1. Versiegelung, Grundwasser

Der Stadt ist bewusst, dass angesichts der geringen Flurabstände, insbesondere bei mehreren Untergeschossen, mit Grundwasseraufstau zu rechnen ist.

Die Versiegelung ist sehr hoch, auch aufgrund der Fläche der Tiefgarage, die unter den Innenhöfen gelegen ist.

  • Anmerkung dazu: Der Boden muss auch Starkregen wie ein Schwamm aufnehmen können. Das geht nur, wenn er nicht durch ein Tiefgaragenbauwerk versiegelt wurde.

Wir sind in Sorge, dass durch das Bauvorhaben ein wichtiges Versickerungsgebiet für Starkregen verloren geht und die Möglichkeit besteht, dass die umliegende Bestandsbebauung sowohl durch Oberflächenwasser, als auch durch Grundwasseraufstau geschädigt wird.

  1. Übergeordneter Grünzug, Klima, Artenschutz

Die Stadt hat die Bedeutung für das Klima realisiert. Das Planungsgebiet habe laut Stadtklimaanalyse eine sehr hohe bioklimatische Bedeutung, weder im Umgriff noch im Nahbereich des Planungsgebiets seien Ausgleichflächen vorhanden, das Planungsgebiet liege an einer übergeordneter Grünbeziehung („Grünes Band Ost“), es gebe hohe bis sehr hohe Kaltluftvolumenströme, Höhlenbäume für brütende Vogelarten und Baumfledermäuse müssten erhalten bleiben.

Trotzdem wird vom Planungsausschuss argumentiert, dass die Bedeutung für das Klima der Umgebung der Bebauung gering sei, das Klima innerhalb der neuen Bebauung akzeptabel sei und dass die Schaffung von Wohnraum das höherwertige Ziel sei.

  • Anmerkung dazu: Die Neuversiegelung einer großen Fläche widerspricht den Zielen des von der Stadt München ausgerufenen Klimanotstands. Das Argument Wohnraum sollte wegen des überwiegend frei finanzierten Wohnraums nicht über den Klimaschutz gestellt werden.

Unserer Meinung nach werden die klimatischen Auswirkungen des Bauvorhabens zu Unrecht als gering in der Bedeutung eingestuft.